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Ein Makel für die UNO
Ha’aretz Leitartikel vom 28.8.2001
Die Weltkonferenz gegen Rassismus der
Vereinten Nationen, die kürzlich in Durban, Süd Afrika, eröffnet wurde,
hätte ein Ereignis von historischer Bedeutung werden können. Sechzig
Jahre nach dem Holocaust hatten die Teilnehmer die historische
Möglichkeit, sich in einer Deklaration darin zu verständigen, daß die
Menschheit einen neuen Weg eingeschlagen hat mit dem Ziel, eine bessere
Welt zu schaffen, in der Menschen als solche respektiert werden,
unabhängig von ihrer Herkunft und Rasse.
Der Tagungsort dieser Konferenz – im
südlichen schwarzen Afrika, einem Land, das Jahrzehnte lang mehr als
jedes andere Land das Symbol für die Diskriminierung von Völkern war und
in den letzten Jahren an Bedeutung im Kampf gegen diese Diskriminierung
gewonnen hatte – hätte nicht nur symbolischer Ausdruck eines siegreichen
Kampfes gegen Rassismus sein können, sondern gleichzeitig auch der
angemessene Rahmen für eine rassismusfeindliche Deklaration.
Leider waren von Anfang an die arabischen
Staaten – und der moslemische Block – anderer Meinung. Sie
versuchten, diese Konferenz als Waffe in ihrem Kampf gegen
Israel und gegen den Zionismus zu nutzen. Indem sie ihren
Zahlenvorteil und Einfluss über viele andere Länder als
Druckmittel benutzten, stellten sie Anträge, die besonders
diskriminierende Aussagen über Israel zum Inhalt hatten.
Die Deklarationsentwürfe standen vor drei
Hauptproblemen. Erstens ist Israel darin das einzige Land, das im Text
ausdrücklich kritisiert wird, obwohl die Konferenzbeschlüsse eigentlich
Universalwert haben sollten. Zweitens sind die Deklarationen in einer
Sprache verfasst, die totalitäre Ausdrücke enthalten, wie zum Beispiel
"ethnische Säuberung", um Israels Verhalten in den palästinensischen
Gebieten zu beschreiben. Schliesslich gehen die moslemischen Staaten
nicht nur auf die Gegenwart ein, sondern sie versuchen, die Geschichte
umzuschreiben und neu zu definieren.
So werten ihre Deklarationen die Vernichtung
der Juden Europas zu einen von vielen Holocausts ab, der im
selben Atemzug genannt wird wie die "ethnische Säuberung der
arabischen Bevölkerung im historischen Palästina". Die
Deklarationen definieren auch den Begriff Antisemitismus, der
schon immer Judenhass umschrieb, neu als "zionistische
Handlungen gegen Semiten" (gemeint sind die Palästinenser).
Diese drei Elemente werden kombiniert, um Israel und
den Zionismus als das neue "Reich des Bösen" in der Welt hinzustellen,
so als wäre Israels Verhalten unvereinbar mit allen Normen, die zu
Beginn des 21. Jahrhunderts in der zivilisierten Welt üblich sind. Eine
derartige Umschreibung kann von keinem realistischen Beobachter und
Teilnehmer akzeptiert werden – auch nicht von solchen, die die
israelische Besetzung der palästinensischen Gebiete oder manche der
Handlungen gegen die palästinensische Bevölkerung kritisieren.
Daher muß man die Entscheidung von US-Präsident George
W. Bush begrüßen, daß die Vereinigten Staaten an der Konferenz nicht
teilnehmen werden, solange sie von derartigen Deklarationen dominiert
wird.
Die Vorschläge des moslemischen Blocks belegen die UNO
mit einem Kainsmal – als eine Organisation, die nicht imstande ist,
humanistische Bestrebungen wie die Wahrung der Menschenrechte weltweit
vorurteilslos zu fördern. Diese Vorschläge behindern auch den wahren und
lobenswerten Kampf gegen Rassismus und Fremdenhass, denn es ist
unmöglich, eine derartige Kampagne mit Beschlüssen zu unterstützen,
deren Inhalt selbst rassistische Elemente enthält.
Es bleibt zu hoffen, daß die Entscheidung der USA die
Teilnehmer dazu veranlaßt, die geplanten Deklarationen, die die gesamte
Konferenz schwächen würden, noch im letzten Augenblick zurückzuziehen.
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