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Sonder-Update
Nr. 9
18. März 2003
Die irakische Bedrohung für Israel -
Ministerpräsident Scharon:
"Israel hat alle notwendigen Kriegsvorbereitungen getroffen"
1. Bei einer Rede vor Geschäftsleuten am 11.
März sagte Ministerpräsident Ariel Sharon: "Die
Kriegswolken über uns verfinstern sich. Wir haben alle notwendigen
Vorbereitungen getroffen. Ich glaube nicht, dass irgendeine mir bekannte
Nation, gleichartige Vorbereitungen bei derartigen Kosten getroffen hat… Wir
haben jede nur mögliche Vorsichtsmaßnahme ergriffen und auch gegenüber allen
Freunden wie Feinden klargestellt, dass Israel weiß, wie es sich im Falle
eines Angriffes zu verteidigen hat." Er fügte hinzu,
dass die Wirtschaft wegen der gegenwärtigen Gewalttaten geschrumpft ist.
"Die Fähigkeit des Staates, allen Bedürfnissen seiner
Bürger gerecht zu werden, nimmt ab, weil wir uns in einem Kriegszustand
befinden", sagte er.
2. Der Hauptverbindungsoffizier der US-Armee
zur IDF, General Charles Simpson, befindet sich für unbestimmte Zeit in
Israel im Dienst. Im Verlaufe des bevorstehenden Krieges wird er die
Zusammenarbeit zwischen den israelischen Verteidigungsstellen und dem
Pentagon koordinieren. General Simpson kommandiert die US-Luftwaffe in
Europa. Vor kurzem nahm er an den Patriot-Raketen-Abschußübungen teil, die
von amerikanischen und israelischen Einheiten gemeinsam im Negev abgehalten
wurden. Die US-Techniker waren in den vergangenen Wochen damit beschäftigt,
die technische Infrastruktur des Koordinierungssystems zwischen den beiden
Armeen einzurichten.
3. Nachdem mehrere zehn Millionen Schekel für
Ausrüstung und Übungsmaßnahmen im vergangenen Jahr ausgegeben worden sind,
versicherte der Leiter des Gesundheitswesens die Öffentlichkeit, dass es
"gut geschmiert" und
"dutzendfach besser auf jeden Notfall vorbereitet"
sei als während des Golf-Krieges vor zwölf Jahren, auch wenn die
Wahrscheinlichkeit für eine Gefährdung von Israelis als sehr gering
anzusehen ist. Zum ersten Mal haben alle vier öffentlichen Krankenkassen
ihre Aktivitäten koordiniert und wenn es zu einem Notfall kommen sollte,
wird jede Kasse auch Mitglieder von anderen Kassen medizinisch versorgen.
Bei einer Presse-Konferenz in der vergangenen
Woche in Jerusalem mit leitenden Mitarbeitern des Gesundheitsministeriums
und den Vorsitzenden der öffentlichen Krankenkassen, sagte
Gesundheitsminister Dan Naveh, der seit seinem Amtsantritt in der
vergangenen Woche bereits mehreren Sitzungen beigewohnt und sogar den
kleinsten Einzelheiten der Vorbereitungen seine Aufmerksamkeit geschenkt
hat, dass seine große Bewunderung dem Ministerium, den Krankenkassen, den
Krankenhäusern und allen anderen Mitarbeitern gilt, die sich ihm auf jeden
konventionellen oder nichtkonventionellen Angriff sehr gut vorbereitet
gezeigt haben.
Fast 18,000 'Erst-Antworter'
sind bereits gegen Pocken geimpft worden, alle sind im medizinischen Bereich
tätig. Naveh sagte, dass auch er bald seine Impfung erhalten würde und er
forderte alle "Gesundheits-Berichtserstatter, die auf
alle Vorgänge als erste reagieren würden, dazu auf, dies ebenfalls zu tun,
falls sie es wünschen sollten." Das Ministerium
hofft, dass mehr medizinisches Personal geimpft wird, aber es hat
gegenwärtig nicht vor, die allgemeine Öffentlichkeit impfen zu lassen.
"Jeden Tag prüfen wir, ob wir der allgemeinen
Öffentlichkeit die Pocken-Schutzimpfung anbieten sollen, aber bisher gibt es
keinen Grund, unsere Einstellung zu ändern," sagte
der General-Direktor des Ministeriums, Boaz Lev.
4. In einem Notfall wird die
Erziehungs-Behörde von Tel Aviv ein besonderes System aktivieren, das es den
Schülern erlaubt, zu Hause zu bleiben und ihren Schulstoff über ihre PCs zu
bewältigen. Alle Mittel- und Hochschüler der Stadt haben einen persönlichen
Zugangs-Code für das Internet erhalten, der es ihnen ermöglicht, mit
Lehrern, Psychologen und Freunden in einem Notfall in Verbindung zu bleiben
und virtuelle Diskussions-Gruppen einzurichten. Diese Einrichtung wird den
Schulbetrieb in Tel Aviv aufrecht erhalten.
5. Außenminister Silvan Shalom hat den
Vereinigten Staaten von Amerika die deutliche Botschaft übermittelt, dass
"Israel nicht am Krieg gegen den Irak beteiligt ist.
Aber im Falle eines Angriffes wissen wir, wie wir uns zu verteidigen haben."
Diese Botschaft ist Teil mehrerer Schritte, die Israel unternommen hat, um
auf die USA Druck auszuüben, die Hilfe für Sicherheitsmaßnahmen und Kredite
für Israel zu verstärken wie auch den Genehmigungsprozess im Kongress zur
Verabschiedung und Überweisung der Mittel für Israel zu beschleunigen.
6. Die Vereinten Nationen verstärken ihre
Bemühungen, um die libanesische Grenze zu Israel im Falle eines US-geführten
Angriffes gegen den Irak ruhig zu halten. Westliche diplomatische Quellen
sagten, dass die Vereinten Nationen mit leitenden Regierungsvertretern und
Schlüsselparteien des Libanon in Verbindung standen, besonders mit jenen im
Süden des Landes, um zu versuchen, in diesem Bereich Frieden und Ruhe zu
bewahren und ein mögliches Aufflammen der Kämpfe zu verhindern, das zu einem
regionalen Flächenbrand führen könnte. Die Hisbollah hat geschworen, bei
jeder Verletzung der Lufthoheit oder bei einem Eindringen auf das Gebiet des
Libanon zurückzuschlagen und auch nicht ihr öffentliches Bekenntnis für die
palästinensische Sache und den Kampf gegen den zionistischen Feind außer
Acht zu lassen. Ihre Vertreter sagten, dass "wenn die
Araber und die Welt mit dem Irak beschäftigt seien, dies nicht bedeute, dass
wir die Palästinenser alleine lassen."
Nach Einschätzungen des Geheimdienstes ist
jedoch davon auszugehen, dass die Hisbollah nicht versuchen wird, die Kämpfe
an der Grenze so anzufachen, dass die IDF dagegen vorgehen müsste. Aber
einige leitende Sicherheits-Quellen glauben, dass die Hisbollah versuchen
könnte, einige Angriffe auszuführen, die jenen gleichen, die sie im
vergangenen April während der Operation Verteidigungs-Schild durchführte. Es
gibt auch die Besorgnis, dass die Organisation versuchen könnte,
terroristische Aktivitäten von palästinensischen Gruppen aus dem Libanon zu
unterstützen, während sie selbst sich aus jeder direkten Einmischung
heraushält. Israel hat jedoch über verschiedene Quellen, einschließlich den
Vereinten Nationen, verlauten lassen, dass es derartige Operationen als
"Casus belli" ansehen und
entsprechend reagieren würde.
7. Angesichts möglicher Raketen-Angriffe des
Irak auf Israel, wurde das Land in Regionen aufgeteilt - der Norden und
Süden wird durch israelische und deutsche Patriot-Raketen-Batterien
geschützt, während das Zentrum des Landes über amerikanische
Patriot-Raketen-Batterien verfügt, die eine neuere, verbesserte und
präzisere Ausführung darstellen. Im Falle eines bevorstehenden Angriffes
werden amerikanische Patriot-Batterien in der Gegend um Tel Aviv-Jaffa
stationiert sein. Bei jedem Raketen-Angriff auf Israel dienen die
Patriot-Batterien zur Unterstützung der israelischen "Arrow"-Raketen,
falls es diesen nicht gelingen sollte, die Scud-Raketen des Irak
abzuschießen. Sollte die israelische "Arrow-Rakete"
die anfliegende Scud verfehlen, sind die Amerikaner berechtigt, eine
Patriot-Rakete gegen eine Scud ohne vorherige Erlaubnis des obersten
IDF-Kommandos abzufeuern. Nach den Worten des Kommandeurs der
Patriot-Einheit, Oberst-Leutnant Yariv Schnepp, ist die Wahrscheinlichkeit,
dass eine Scud-Rakete in Israel einschlägt, "minimal".
Schnepp erklärte, dass "jede Patriot-Batterie
gleichzeitig 9 Raketen bekämpfen kann und jede Rakete ist in der Lage
anfliegende Geschosse aus einer Entfernung zwischen 3 – 160 Kilometern
abschießen."
8. Im Rahmen einer bisher nicht dagewesenen
Aktion haben sich 50 Yeshiva-Studenten, alles Freiwillige von Zaka
(Identifizierung von Terror-Opfern), die sich aus Haredim aus dem ganzen
Land zusammensetzt, dazu entschlossen, sich dem Heimatschutz-Kommando
anzuschließen Hunderte weitere sollen hierzu noch eingezogen werden, was
wiederum vom Zeitpunkt des Kriegs-Ausbruches abhängt. Nach den Plänen des
Verteidigungs-Ministeriums wird es nach Abschluß des Ausbildungsprogrammes
in jedem Bereich des Heimatschutz-Kommandos eine Einheit der Zaka geben. Die
Freiwilligen werden mit koscheren lemehadrin-Lebensmitteln verpflegt und sie
werden nur von Männern umgeben sein – es wird keine weiblichen
"Soldaten" oder Ausbilder in
ihrer Nähe geben. Die Ausbildung wird für die Gebetsstunden unterbrochen.
9. Bei einer Pressekonferenz gab Generalmajor
Amos Gilad, der designierte nationale Sprecher für den Kriegsfall, seine
Einschätzung der Lage mit dem Irak wider. Er sagte, dass die Entfernung von
Saddam Hussein einem "Wunder"
gleichkomme, das die gesamte Region von einem "gefährlichen
Monster" befreien würde, das im letzten Jahrzehnt
eine existenzielle Bedrohung für Israel dargestellt habe. Gilad, der die
Meinung der Regierung wiedergab, sagte voraus, dass die Entfernung von
Saddam die Entfernung von weiteren Diktatoren der Region nach sich ziehen
würde – wobei er sich auf Arafat bezog.
Nach Gilads Meinung, der als Offizier des
Geheimdienstes Saddam etwa zwei Jahrzehnte beobachtet hat, ist der irakische
Diktator von "Ja-Sagern"
umgeben, die ihn wahrscheinlich nicht über die wirkliche militärische Stärke
informiert haben, die die USA in der Region aufgebaut haben.
"Saddam weiß nicht, gegen was er sich da eigentlich stellt",
sagte Gilad, obwohl er durchaus versicherte, dass er den irakischen
Präsidenten nicht unterschätzt. "Saddams Leute sagen
ihm nicht, gegen was er sich eigentlich stellt."
Zusätzlich zu der Tatsache, dass er einer amerikanischen Streitmacht
gegenübersteht, die um ein Vielfaches stärker ist als jene, die ihn 1991
schnell besiegte, ist Saddam außerdem auch deshalb schwach, weil er sowohl
in der arabischen Welt wie im eigenen Land isoliert ist. Gilad sagte, dass
Iraks Nachbarn, mit denen er sich in den vergangenen 20 Jahren bekriegt und
die er bedroht hat, auch erleichtert aufatmen werden, wenn er erst einmal
nicht mehr da ist.
Da Israel ein verbessertes
Raketen-Abwehrsystem aufgebaut hat, wurde nach Gilads Worten die Fähigkeit
des Irak, mit Raketen anzugreifen, stark gemindert. Während die Iraker 1991
in der Lage waren, eine ganze Reihe von Raketen abzufeuern, sind sie heute
wahrscheinlich nur dazu in der Lage, einige wenige abzufeuern. Und sogar
dies wird ihnen schwer fallen, versicherte er, weil es sich die USA bei
einem Beginn des Krieges zu einem ihrer Hauptziele gemacht haben, die
Raketenstellungen im Westen des Iraks auszuschalten.
Israel ist auch besorgt über mögliche
Versuche der irakischen Luftwaffe, in den israelischen Luftraum
einzudringen. Aber die israelische Luftwaffe ist im höchsten Alarmzustand,
wie er sagte, und die Maschinen der schwachen irakischen Luftwaffe müssten
sowohl der amerikanischen wie der israelischen Luftabwehr entkommen.
Gilad sagte auch, dass er nicht glaube, dass
es den Irakern gelungen sei, nach Israel
"Schläfer"
einzuschleusen, die sie bei Bedarf aktivieren
könnten.

Luftabwehr-Raketenstellungen wie diese sind überall in Israel
im Einsatz
und im Alarmzustand.

Israels Rettungs- und Zivilschutzeinheiten üben mit
Schutzanzügen unter
praxisnahen Bedingungen die schlimmsten anzunehmenden Fälle nach einem
eventuellen Angriff mit bakteriologischen oder chemischen Waffen. Gerade
für die verbesserte Ausrüstung dieser Einheiten bittet der Keren Hayesod
um Spenden.

Zum Schutz der Bevölkerung Israels vor Angriffen mit
chemischen oder
bakteriologischen Waffen werden Gasmasken ausgegeben und deren
richtiges Tragen geübt.
Keren Hayesod 18-03-2003
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