israel-tourismus.de / nahost-politik.de / zionismus.info / hagalil.com

 

Israel Update

Die "Libanonisierung" von Judäa und Samaria

von Oren Shachor / The Jerusalem Post, 11. Juli 2001?

Jerusalem - Allmählich erinnert die Situation in Judäa und Samaria an den Krieg, den Israel im Libanon führen mußte. Zu diesem Schluß kommt Oren Shachor in seiner Analyse, die in der Jerusalem Post veröffentlicht wurde. Er ist früherer Generalmajor der Armee Israels.

In dem Artikel heißt es unter anderem:

Obwohl Judäa und Samaria dem Libanon nicht völlig gleichen – die ethnische Struktur und die sozial-religiöse Zusammensetzung Libanons ist von ganz anderer Art als die der Palästinenser, die weit davon entfernt sind, einen einzigen Block zu bilden – so ist doch die Art des Kampfes der Palästinser, eine Kombination von Terroranschlägen, Anschlägen aus fahrenden Kraftfahrzeugen und der zunehmende Gebrauch von Bomben, der Art der Kriegsführung der Hizbollah im Libanon gegen die Armee Israels sehr ähnlich.

Die Bewegung von Militärfahrzeugen der Armee Israels in der Westbank erfolgt offen und deshalb sind diese sehr oft ein leichtes Ziel. Bomben- und Feuerüberfälle sind relativ leicht durchzuführen, und die bebaute Gegend sowie die Sympathie der hier lebenden arabischen Bevölkerung erleichtern die Terroraktivität.

Yassir Arafat, der Vorsitzende der "Palästinensischen Autorität", wie seine Regierung sich nennt, hat anscheinend von den Kriegs- und Rückzugsaktionen im Libanon gelernt. Ständige Terroranschläge und tägliche Verluste der Armee werden, so glaubt er, zu einem israelischen Rückzug aus den Gebieten führen, ähnlich wie es der Hizbollah letztendlich gelang, die Armee Israels zum Rückzug aus dem Libanon zu veranlassen. Arafat glaubt, er müsse nur den Druck auf unsere empfindliche Stellen steigern, also die Verluste der Armee erhöhen, bis irgendwann die Schmerzgrenze erreicht ist.

Der große Unterschied dabei: Im Libanon ging es vorwiegend um militärische Ziele und die Opfer waren Soldaten. In Judäa und Samaria sind es die Siedlungen von Zivilisten, die zum größten Teil schlecht zu verteidigen sind ein bequemes und leicht zu treffendes Ziel abgeben. Hier kann auf einfache Weise viel Schaden angerichtet werden, bei minimalen Einsatz der palästinensischen Kräfte.

Zu Arafats Strategie gehören auch Entführungen im Stil der Hizbollah und der Beschuß von Wohngegenden wie auf Gilo bei Jerusalem. In Zukunft werden vielleicht sogar Gemeinden in Judäa und Samaria, oder auch außerhalb von Jerusalem von Granatwerfern beschossen werden, ähnlich wie es die Hizbollah tat als sie die Siedlungen im Norden Israels beschoß, besonders Kiryat Shmona. Kurz gesagt: Israel droht eine Libanonisierung von Judäa und Samaria.

Dabei handelt es sich um keine Wortspielerei. Vielmehr ist es so, daß Arafat, ebenso wie der Führer der Hizbollah, Scheich Hassan Nasrallah, auf einen Rückzug der Armee Israels bis zum allerletzten Zentimeter abzielt, genauso wie es im Libanon der Fall war.

Was ist zu tun für Israel? Eigentlich kann nichts dagegen unternommen werden, außer die Armee Israels entschließt sich zu weitgehenden Maßnahmen gegen die Wirtschafts- und Militäranlagen der Palästinensischen Autorität in Zone A. Dabei muß gelten, zivile Opfern so weit wie nur möglich zu vermeiden. Dazu ist der Einsatz starker Kräfte nötig und unter Umständen wird dies eine langen Einsatzzeitraum für die Armee nach sich ziehen.

Ziel aller eventuellen Einsätze der Armee muß es dabei sein, die PA und Arafat zur strategischen Entscheidung zu drängen, den Auseinandersetzungen in den Gebieten Einhalt zu gebieten bevor die PA selbst zusammenbricht. Meines Erachtens muß die PA zu dieser Entscheidung selbst kommen, Arafat wird über das Schicksal der PA selbst entscheiden müssen.

Die gegenwärtige Politik der Zurückhaltung war notwendig. Aber mir erscheint es als unausweichlich, daß Premierminister Ariel Sharon in naher Zukunft diese Politik durch den Einsatz des Militärs ersetzen muß, um den gegenwärtigen Libanonisierungsprozeß in der Westbank zu beenden.

(Der Autor ist ein ehemaliger Generalmajor der IVK)