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Arbeitslosigkeit um 0,3 Prozent gesunken, dennoch:
Israels Wirtschaft nach wie vor in der Krise
Durch die anhaltende kritische Sicherheitssituation in
Israel, hervorgerufen von den fortdauernden Gewalttätigkeiten auf
palästinensischer Seite, und verstärkt durch die weltweite Rezession, hat
Israels Wirtschaft einen herben Rückschlag hinnehmen müssen. Sie hat etwa
NIS 50 Milliarden ($ 10,6 Milliarden Dollar) eingebüsst, das ist NIS 8
Milliarden mehr als der Verteidigungshaushalt, der sich auf NIS 42
Milliarden ($8.9 Milliarden) oder 10 Prozent des Bruttosozialproduktes
beläuft.
Wenn sich die Wirtschaft Israels weiterhin so entwickelt
hätte wie vor dem Ausbruch der Gewalttätigkeiten im September 2000, würde
das Bruttosozialprodukt (GDP) heute 10 % höher liegen. Die Sicherheitslage
ist für die Hälfte des Verlustes verantwortlich, wobei externe Faktoren das
Wachstum ebenfalls beeinträchtigt haben. Die weltweite Krise im
High-Tech-Bereich und die Abschwächung der US-Wirtschaft haben die
israelische Wirtschaft mehr als die anderer Länder geschadet, wie das
Schatzamt Israels berichtet.
Der renommierte Wirtschaftswissenschaftler Yaakov Sheinin,
der Direktor des ‘Wirtschafts-Modells’, sagt: “Israel wirtschaftliche Lage
ist heute schlechter als die Europas nach dem 2. Weltkrieg. Sie hat sich
seit sieben Jahren in Bezug das Pro-Kopf-Wachstum des Bruttosozialproduktes
verschlechtert. Wir befinden uns im sechsten aufeinanderfolgendem Jahr in
einer Rezession.”
Die ersten Anzeichen einer Erholung? Statistische Angaben,
die vom CBS (Zentrales Statistisches Büro Israels) am 23. August
veröffentlicht wurden, zeigen, dass sich die Zahl der Arbeitslosen um 0.3%
auf 10.3% im zweiten Quartal des Jahres 2002 verringert hat. Der CBS-Bericht
verweist auf Anzeichen, dass sich die Rezession verlangsamt hat und die
Wirtschaft sich zu stabilisieren beginnt.
Nach der Veröffentlichung des CBS-Berichtes mit den
beunruhigenden wirtschaftlichen Zahlen für Juli 2002, sagte der renommierte
Wirtschaftswissenschaftler Yaakov Sheinin, Generaldirektor des
‘Wirtschafts-Modells’: “Israels wirtschaftliche Lage ist heute schlechter
als die Europas nach dem 2. Weltkrieg. Sie hat sich seit sieben Jahren in
bezug auf das Pro-Kopf-Wachstum des Bruttosozialproduktes verschlechtert.
Wir befinden uns im sechsten aufeinanderfolgendem Jahr einer Rezession.
Die Regierung muss in die Wirtschaft über den Ausbau der Infrastruktur
investieren, genauso wie der Marshall-Plan es getan hat, dessen Ziel es war,
Europa nach dem Krieg wieder gesunden zu lassen.”
I. Die Zahlen
GDP (Gross Domestic Product=Bruttosozialprodukt)
In der ersten Hälfte dieses Jahres, verglichen mit dem
gleichen Zeitraum des Vorjahres, fiel Israels Bruttosozialprodukt um
2.9% auf etwa NIS 500 Milliarden ($106 Milliarden Dollar) auf das ganze Jahr
hochgerechnet, wie den Angaben des CBS zu entnehmen ist. Nach einem
Rekordwachstum des Bruttosozialproduktes um 7.4% im Jahre 2000, musste die
Wirtschaft eine Abnahme des GDP um 1.8% in der ersten Hälfte des Jahres 2001
hinnehmen, verglichen mit dem gleichen Zeitraum des Vorjahres sowie einen
Rückgang um 5.3% in der zweiten Hälfte des Jahres 2001.
Aktuelle Zahlen deuten auf eine Verlangsamung dieses
negativen Trends hin, obwohl sie einen anhaltenden negativen Trend
widerspiegeln.
Das Pro-Kopf-GDP fiel zwischen September
2001 und August 2002 um 8%. Dies ist der stärkste
Rückgang in 50 Jahren und ohne Beispiel in irgendeinem entwickelten Land,
auch in denjenigen, die mit der High-Tech-Krise fertigwerden müssen.
Verbrauch
Der private Verbrauch fiel um
1.7% im zweiten Quartal des Jahres, verglichen mit dem ersten Quartal. Eylon
Geda, Leiter der Research-Abteilung des Investment-Hauses ‘Ilanot Batucha’
sagt: “Wir erwarten im Jahre 2002 einen Rückgang des GDP um etwa 1.5%.”
Sogar Güter des täglichen Verbrauchs, die auf direkt angebotenen Waren
basieren, wurden im ersten Quartal um 4,3% weniger konsumiert. Dies weist
auf eine zunehmende Abnahme des Verbraucher-Vertrauens hin, fügte Geda
hinzu.
Der Pro-Kopf-Verbrauch fiel in
der ersten Hälfte des Jahres 2002 um 1.6%, was eine Abnahme um 5.3% bei
höherwertigen Gütern und eine Abnahme um 1.2% bei Gütern des täglichen
Bedarfes bedeutet. Dagegen nahmen die Importe trotz des abnehmenden
Verbrauches um 6.8% zu. Geda sagt, dass dies eine Erholung nach dem
beträchtlichen Rückgang der Importe um 12,6% in der zweiten Hälfte des
Jahres 2001 darstellt, gleichzeitig waren die Exporte um 8%
zurückgegangen.
Der öffentliche Verbrauch, der
vor allem durch die Ausgaben des israelischen Militärs angefacht wurde,
nahm in der ersten Hälfte des Jahres um 10.7% zu.
Arbeitslosigkeit
Das Schatzamt nimmt an, dass die Arbeitslosigkeit im
Jahre 2003 auf etwa 300,000 Personen ansteigen wird. Sollte dies zutreffen,
werden 12% der arbeitsfähigen Menschen in Israel ohne einen Arbeitsplatz
sein. Dies stellt eine Zunahme der Arbeitslosigkeit um 50% dar. Im
Handel und bei den Dienstleistungen wurden keine neuen Arbeitsplätze
geschaffen.
Kleinere Betriebe und Geschäfte
30,000 kleinere Betriebe und Geschäfte - diese
fallen in die Kategorie, nach der diese bis zu 50 Mitarbeiter beschäftigen
und deren jährlicher Umsatz unter NIS 5 Millionen ($1.6 Millionen) liegt -
haben seit September 2000 geschlossen. In den letzten zwei Jahren ist bei
kleineren Betrieben ein Umsatz-Rückgang von 60% zu verzeichnen gewesen. Das
Nationale Forum der Entwicklungszentren für kleinere Betriebe hat vor einem
völligen Zusammenbruch gewarnt, der ein soziales Erdbeben auslösen würde.
Im Möbelbereich zum Beispiel wird davon ausgegangen, dass
im letzten Jahr 50-100 kleinere Betriebe geschlossen haben. Am härtesten
getroffen wurden Betriebe, die auf den durchreisenden Tourismus angewiesen
sind, besonders Restaurants in Jerusalem, Netanya und Tiberias. Ein Besuch
in Gegenden mit einer hohen Konzentration von Geschäften, die Schmuck,
Souvenirs, Judaica, Kleidung und Schuhe verkaufen, aber die auch viele
Restaurants aufweisen, wie zum Beispiel die Ben Yehuda Strasse in Tel Aviv
und die Jaffa Strasse in Jerusalem, macht die Entwicklung sehr deutlich. In
Tel Aviv haben in diesem Jahr alleine 5,750 kleinere Geschäfte geschlossen -
eines von vier. Es wird angenommen, dass eine ähnliche Anzahl im nächsten
Jahr schließen wird.
Investitionen in die Industrie
Investitionen in die Industrie
fielen um 27% im ersten Quartal des Jahres auf NIS 2.2 Milliarden ($500
Millionen), wobei der High-Tech-Bereich mit einem Rückgang von 33% auf NIS
771 Millionen ($164 Millionen) am stärksten betroffen war. Die Abnahme
spiegelt eine Tendenz der Abnahme der industriellen Investitionen wider, die
im letzten Jahr begann.
Rezession
Die Rezession hat sich verstärkt, wobei der private
Verbrauch zusammengebrochen ist - gleichzeitig fiel die Produktivität im
Handels- und Dienstleistungssektor um jährlich hochgerechnet
3% von Januar - Mai 2002 - und der Stellenabbau in den Betrieben setzte
sich fort, besonders in den Produktions- und in den High-Tech-Bereichen.
Inflation
Die Inflationsrate für den Monat Juli stieg um
0.6%, der stärkste Anstieg in 6 Jahren. Seit Anfang dieses Jahres ist dieser
Index um 7% hochgeschnellt, was konkret zu einer Abnahme von NIS 500 bei
einem durchschnittlichen Gehalt geführt hat. Eine durchschnittliche Familie
mit zwei Gehaltsempfängern muss heute mit etwa NIS 2,000 weniger im Monat im
Vergleich zum Zeitraum Ende des Jahres 2001 auskommen. Der größte Teil
dieses Betrages wurde durch den Preisanstieg aufgezehrt; der Rest floss
Regierungs-Steuern zu. Die Inflation im Jahre 2002 wird auf 8.5% geschätzt,
was Israel unter den entwickelten Ländern zum Land mit der höchsten
Inflationsrate macht.
Steuer-Aufkommen
In den ersten sieben Monaten des Jahres ging das
Steueraufkommen real um 5% auf NIS 87.5 Milliarden ($18.6 Milliarden)
zurück. Dies gilt zusätzlich zu dem Rückgang um 3% im letzten Quartal des
Vorjahres, verglichen mit dem gleichen Zeitraum im Jahre 2000. Das
Regierungs-Haushalts-Defizit für Juli 2002 lag bei NIS 409 Millionen
($87 Millionen) und bei NIS 5.4 Milliarden ($1.1 Milliarden) seit Anfang des
Jahres. Das Aufkommen bei der Einkommensteuer fiel um 10% auf NIS 48.7
Milliarden ($10 Milliarden) und setzte damit den Negativ-Trend bei den
Einkommens-Steuer-Einnahmen fort, der im Oktober 2001 begann. Der Hauptgrund
für die Abnahme wird auf den Einnahme-Rückgang bei Großfirmen und kleineren
Betrieben zurückgeführt.
Auswirkungen des erhöhten Militär-Reserve-Dienstes
Die Zahl der abwesenden beschäftigten Männer vom
Arbeitsplatz wegen des militärischen Reservedienstes stieg um 47% in der
ersten Hälfte des Jahres 2002, verglichen mit der ersten Hälfte des Jahres
2001. Die Reserve-Dienst-Abwesenheit lag bei durchschnittlich 1.32
Arbeitstagen pro Beschäftigten zwischen Januar - Juni 2002, verglichen mit
0.9 Arbeitstagen im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Zahl der
Abwesenheit aus anderen Gründen fiel in den vergangenen beiden Jahren um
18%.
Tourismus
Israels Krise in der Tourismus-Industrie verstärkt
sich. Nur 62,700 Touristen waren im Juni zu verzeichnen, ein Rückgang von
36%, verglichen mit 97,400 im Juni 2001. Zum ersten Mal seit langer Zeit
kamen keine Touristen mit Kreuzfahrten in Israel an. Der Tourismus in Eilat
nimmt weiterhin ab, nur 1,000 Touristen kamen im Juni mit
Direkt-Charter-Flügen an. Die Zahlen zeigen, dass in der ersten Hälfte des
Jahres 399,700 Besucher in Israel ankamen, ein Rückgang von 42% verglichen
mit dem gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Israels Hotels stehen am Rande des Zusammenbruchs.
Ihre Bank-Schulden belaufen sich auf fast NIS 4 Milliarden ($851 Millionen).
Die Hotels haben im Jahre 2000 NIS 508 Millionen ($108 Millionen) an Umsatz
verloren, NIS 2.5 Milliarden ($532 Millionen) im Jahre 2001 und sie werden
wahrscheinlich weitere Einnahmen von NIS 3.5 Milliarden ($745 Millionen) bis
zum Ende dieses Jahres verlieren. 50 Hotels, die ihre Verluste nicht
wettmachen konnten, haben seit September 2000 geschlossen und weitere
Schließungen werden nach den Hohen Feiertagen erwartet. Es wird angenommen,
dass 4,000 bis 8,000 Beschäftigte bis dahin entlassen werden, zusätzlich zu
den 16,000 Hotel-Angestellten und 40,000 in anderen Tourismus-Bereichen, die
bereits ihren Arbeitsplatz verloren haben. Die Gesamt-Zimmerbelegungs-Rate
in der ersten Hälfte des Jahres 2002 lag bei 36%, verglichen mit 63% im
gleichen Zeitraum des Vorjahres. Am stärksten betroffen war Jerusalem, wo
die Belegungsrate nur bei 21% liegt, gefolgt von Tiberias mit 24% und Tel
Aviv mit 33%.
II. Vertrauen in die Wirtschaft Israels
Trotz des überwiegend dunklen wirtschaftlichen Ausblickes,
drückt Petachia Bar-Shavit, der Leiter der Research-Abteilung der Bank
Hapoalim, Israels größter Bank, Optimismus aus. “Ich weiß nicht, ob die
Verlangsamung der wirtschaftlichen Stagnation auf einen bevorstehenden
Umschwung hindeutet, aber ich habe in Israels Wirtschaft langfristig viel
Vertrauen,” sagt er.
“Wir haben so viele talentierte Menschen auf dem Gebiet
der Elektronik, im Biotech-Sektor und in anderen High-Tech-Bereichen. Nicht
in bezug auf unsere Größe; ich spreche von absoluten Zahlen. Auch hat der
Schekel in den letzten Monaten einen Vertrauenstest bestanden. Es hat sich
trotz einer gelockerten Geld-Politik gehalten. Dies beweist, dass Investoren
an Israels Möglichkeiten glauben.”
Shraga Brosh, Vorsitzender des israelischen
Export-Institutes, stützt sein Vertrauen in die Wirtschaft Israels auf die
Tatsache, dass wegen Israels geringer Größe seine Wirtschaft als eine Art
von “Nischen-Markt” charakterisiert werden kann, ohne große Konzerne. Dies
ermöglicht einer Erholung nach einer Krise größere Flexibilität und eröffnet
bessere Möglichkeiten.
Statistische Zahlen, die vom CBS kürzlich veröffentlich
wurden, zeigen, dass die Zahl der Arbeitslosen im zweiten Quartal des Jahres
2002 um 0,3% auf 10,3% abnahm. Der CBS-Bericht verweist auf Anzeichen, dass
sich die Rezession verlangsamt hat und dass sich die Wirtschaft
möglicherweise zu stabilisieren beginnt.
Grundsätzlich gilt folgendes: In Israel und im Ausland
besteht Vertrauen in die Widerstandskraft der Wirtschaft Israels. Dennoch
hat der erhebliche wirtschaftliche Preis, hervorgerufen durch die
Sicherheitserfordernisse, zusammen mit der Krise im High-Tech-Bereich und
der weltweiten Rezession, den Bürgern Israels erhebliche Bürden auferlegt,
die in jedem Bereich der israelischen Gesellschaft zu spüren sind.
Verfasst und zusammengestellt aus offiziellen Daten und
Medien-Berichten von Ellen Shmueloff
Deutsche Bearbeitung: Wolf S. Bruer
Stand: 23. August, 2002
Keren Hayesod
02.04.2008
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