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Presseschau des
Keren haYesod
Jerusalem

Wirtschafts-Update in Israel:
Das Wachstum der Industrie schlägt wieder zarte Wurzeln

Die Not-Maßnahmen im Wirtschafts-Programm des Finanzministeriums vom Jahre 2003, deren Zweck darin lag, Reformen im Sozialwesen durchzuführen, um einen langfristigen wirtschaftlichen Aufschwung zu erleichtern, verstärkte die wirtschaftliche Notlage von vielen Bevölkerungsgruppen in Israel. Es gibt viele Anzeichen dafür, dass sich die Wirtschaft des Landes in der Tat zu erholen beginnt, aber die Realität sieht für einen großen Anteil der Bevölkerung nach wie vor traurig und extrem niederschmetternd aus.

Das Ausmaß der Auswirkungen des Programms auf die Menschen wird durch diesen Auszug der Maßnahmen deutlich:

ü       Kindergeld und Mutterschafts-Leistungen wurden gekürzt

ü       Sozial-Leistungen und Einkommenszuschüsse wurden gekürzt

ü       Arbeitslosen-Unterstützung und Antragsberechtigung wurden eingeschränkt

ü       Sozial-Unterstützungs-Sätze für Familien wurden verringert

ü       Alle Formen der Zuschüsse für Behinderte und Senioren wurden gekürzt

ü       Anpassung der Lebenshaltungskosten wurde eingefroren

ü       Zuschüsse für den Hauskauf wurden verringert

ü       Besondere Steuerfreistellungen wurden abgeschafft

ü       Die Pensions-Leistungen wurden reduziert

ü       Fast alle öffentlichen Dienstleistungen von der Schulausbildung über den Gesundheitsdienst bis zu den persönlichen Sozialdiensten wurden in großem Unfang verringert

 

A. Die harten Zahlen von jenen, die von dieser Lage betroffen sind:

1 – Soziales Elend: Bericht zur Lage  

Fast jede fünfte Familie lebt unter der Armutsgrenze (gemäß der Richtlinie von 2002 mit $1,000 im Monat als verfügbares Einkommen). Durchschnittlich lebt jedes dritte Kind in Armut – insgesamt 1.32 Millionen Menschen, einschließlich 618,000 Kinder bei einer Bevölkerungszahl von 6.5 Millionen. Ohne Sozialunterstützung würden sich die Zahl der betroffenen Familien fast verdoppeln (Bericht des Nationalen Versicherungs-Institutes, NII).

40% von jenen, die im NII als arm eingestuft wurden, haben einen Arbeitsplatz, aber ihr Einkommen ist nicht hoch genug, um sie die Armutsgrenze überschreiten zu lassen.

2 – Die Senioren

  • 123,000 Senioren, die 20% der älteren Bevölkerung ausmachen, leben unter der Armutsgrenze. Eine größere Gruppe, ein Drittel der älteren Bevölkerung – 190,000 Menschen, gehören zu jener Gruppe von 25% der Bevölkerung Israels, die gerade oberhalb der Armutsgrenze lebt, wie dies im Jahre 2002 mit einem verfügbaren Betrag von NIS1,743 ($390) pro Person definiert wurde.
  • Etwa 7% aller Haushalte mit älteren Menschen (ungefähr 31000 Haushalte) verzeichnen einen Mangel an Lebensmittel, was durch die Tatsache zum Ausdruck kommt, dass sie sich weder ausgewogen ernähren können noch grundsätzlich über genügend Lebensmittel verfügen. Diese Haushalte leben mit der Angst, dass sie nicht genug Lebensmittel haben und auch nicht über das Geld verfügen, sich mehr Lebensmittel kaufen zu können; sie haben es bereits aufgegeben, sich ausgewogen zu ernähren; sie verringern den Umfang ihrer Mahlzeiten oder verzichten ganz darauf; und, in besonderen Fällen berichten sie, dass sie es den ganzen Tag über vermeiden zu essen; 12 % berichten von einer gemäßigten Lebensmittel-Unsicherheit.
  • 26% der Befragten unter den Älteren berichteten, dass sie angesichts ihrer finanziellen Notlage manchmal dazu gezwungen werden, schwierige Entscheidungen in Bezug auf die Ausgaben für grundlegende Dinge zu fällen –  wie die Entscheidung zwischen Heizungs- oder Stromrechnungen, für Medikamente und medizinische Behandlung –  und Ausgaben für Grundnahrungsmittel.
  • 96% berichteten, dass sie ihre Wohnung aus finanziellen Gründen nicht beheizen.
  • 18% der Älteren berichteten, dass sie darauf verzichteten, ihre Kinder oder Verwandten anzurufen, weil sie das Geld für die Telefonanrufe nicht hatten; 17% berichteten, dass sie darauf verzichteten, ihre Familien zu besuchen, weil sie das Geld für die Fahrtkosten nicht hatten. 
  • 85% der Haushalte der Senioren haben jeden Tag oder fast jeden Tag heißes Wasser, aber 15% verfügen darüber nicht – 10% haben zwei oder drei Mal in der Woche heißes Wasser und weitere 5% hatten nur einmal in der Woche heißes Wasser oder überhaupt nie. (Die Daten über die Senioren wurden dem Bericht des JDC-Brookdale Institutes für Gerontologie und Human Development entnommen – Die Auswirkungen von finanziellen Problemen auf das Leben von Senioren: Auszüge der Ergebnisse einer Nationalen Befragung, finanziert mit Mitteln von ESHEL – der Gemeinschaft für die Planung und Entwicklung von Dienstleistungen für Senioren und von Ha'aretz.)

 

3 – Weitere Indikatoren

  • Es hat einen steilen Anstieg von Armee-Deserteuren im Vergleich zu früheren Jahren gegeben – seit 2001 ist diese Zahl um 72% gestiegen. Die Armee verweist darauf, dass dies vor allem auf die schwierige wirtschaftliche Lage zurückzuführen ist.
  • In einem Bericht, der bald der Knesset vorgelegt werden soll, und in dem es um die Einstellung von Stromlieferungen wegen unbezahlter Rechnungen geht, wurde enthüllt, dass jeden Monat 10,000 Menschen ihr Strom abgeschaltet und 50,000 Kunden ihr Telefonanschluss gekündigt wird. Im Laufe des Jahres 2003 haben  die israelischen Elektrizitätswerke 110,000 Abnehmern den Strom abgestellt; Bezeq, die Telefongesellschaft hat über 500,000 Kunden die Leitungen abgestellt.

 

B. Anzeichen der langsamen wirtschaftlichen Erholung:

  • Der Wirtschafts-Index der Bank von Israel zeigt, dass die gemeinsamen Indikatoren im Dezember 2003 zum vierten Mal in Folge gestiegen sind und damit ein Ende der seit drei Jahren anhaltenden Schrumpfung der Wirtschaft andeuten, so die Forschungsabteilung der Zentralbank. Der Index, der sich aus dem Außenhandel, der Industrieproduktion und dem Großhandels- und Einzelhandelsumsatz zusammensetzt, stieg im Dezember um 0.2% und um 0.7% im letzten Viertel des Jahres 2003 und signalisierte damit, dass der Anstieg nicht nur eine einmalige Blase ist, sondern ein wirkliches, wenn auch gemäßigtes Zeichen der Erholung darstellt.
  • Ein steiler Anstieg um 23% in Bezug auf Touristen-Einreisen auf  1.06 Millionen im Jahre 2003 signalisierte eine Erholung des Tourismus-Bereiches, so die Angaben des zentralen statistischen Amtes. Der Tourismus liegt immer noch 11% niedriger als im Jahre  2001 und 56% niedriger als im Jahre 2000, dem Jahr des Rekord-Tourismus. Die monatliche Zahl von 200,000 im Jahre 2000 fiel auf einen Tiefststand von 32,500 im März 2003 zurück. Touristen-Hotel-Belegungen stiegen um 25% im Jahre 2003 im Vergleich zum katastrophalen Jahr 2002. Seit dem Beginn der palästinensischen Gewalt im Jahre 2000 ist die Zahl der einreisenden Touristen um etwa 8 Millionen zurückgegangen, was einem Verlust von etwa $10 Milliarden entspricht.
  • Die Bank von Israel berichtigte ihre Voraussage für das GDP-Wachstum (Brutto-Sozialprodukt) für 2004 von 1% auf 2.4%, nach einem GDP-Wachstum von 1.2% im Jahre 2003.
  • Vom Geschäftsbereich wird erwartet, dass er um 3.7% steigt, was auf einen Anstieg von 2.8% im privaten Verbrauch und ein erneutes weltweites wirtschaftliches Wachstum zurückzuführen ist.  Das Wachstum im Geschäftsbereich lag im Jahre 2003 bei 1.5% und der private Verbrauch stieg um 2%.
  • Die  Arbeitslosenrate in Israel fällt gegenwärtig, was auf die nachdrückliche Ausweisung von illegalen Gastarbeitern durch die Regierung zurückzuführen ist, so der Forschungsleiter der Bank von Israel, und freiwerdende Stelle werden von Israelis besetzt, wie er sagte. Die Arbeitslosigkeit ging im November 2003 auf 10.7% zurück und ist auf diesem Wert konstant geblieben, so die Zahlen der Regierung. Die Vereinigung für sozialen Einsatz und Frieden sagt, dass diese Zahlen nicht jene einschließen, die aufgegeben hätten und nicht mehr nach Arbeit suchten oder jene, die gezwungen seien, Teilzeitarbeitsstellen anzunehmen. Die Zahlen der Vereinigung besagen, dass die Arbeitslosigkeit bei 16% liegt, 34% aller Akademiker sind arbeitslos und diese machen 6% der Arbeitslosen-Zahlen aus.
  • Die Steuer-Einnahmen stiegen im Januar um 8%, für 2004 wird ein  Anstieg von 4% angesetzt, wobei man bisher von einem Anstieg um 2.5% ausgegangen ist.
  • Der Import von nichtverderblichen Waren und elektronischen Geräten stieg im Januar um 66% an, wobei Autoimporte den Hauptbestandteil der Verbraucherausgaben bei allen Importen darstellen.
  • Nach Angaben der Hersteller-Vereinigung gehen etwa 62% der Wirtschafts-Kapitäne davon aus, dass die Verkäufe im Jahre 2004 zunehmen werden, besonders im High-Tech-Bereich. Sie waren besonders für den Export-Bereich optimistisch, wobei satte 91% erwarten, dass die Exporte im ersten Viertel des Jahres zunehmen werden. Doch nur 10% der industriellen Kapitäne gehen davon aus, dass das Land bereits aus der Rezession herausgefunden hat; 50% sagten, dass Land habe sich noch nicht erholt und 40% sagten, dass es noch zu früh sei, um etwas darüber aussagen zu können.
  • Exporte, mit Ausnahme von Diamanten, stiegen im Jahre 2003 um 7.6%, was auf fallende durchschnittliche Löhne, zunehmende Produktivität und den Fall des Schekels gegenüber den zurückzuführen ist.
  • Die anhaltende Rezession ist besonders im Baubereich feststellbar, wo 24% weniger Privat-Wohnungen zwischen Januar und November 2003 verkauft wurden als im gleichen Zeitraum des Jahres 2002.
  • Die Regierungsausgaben nahmen um 1% im Jahre 2003 ab, nachdem sie im Vorjahr um 5.7% angestiegen waren.
  • Die Investitionen in festen Anlagen nahmen weiterhin ab – um etwa 4% im dritten aufeinander folgenden Jahr, aber der Rückgang im Jahre 2003 war weniger stark als im Jahre 2002 mit 9.2%. Darüber hinaus ist festzuhalten, dass Investitionen oft erst später einsetzen, wenn eine Wirtschaft den Zustand der Rezession verlässt.
  • Die Produktivität ist im Jahre 2003 um etwa 2.5% gestiegen, während die durchschnittlichen Gehälter im Geschäftsbereich um 6% zurückgegangen sind, wobei ein weiterer Rückgang von 2% im Jahre 2004 erwartet wird. Dies ist auf die normale einjährige Verzögerung zwischen dem wiedererwachenden wirtschaftlichen Wachstum und einer Belebung im Arbeitsmarkt zurückzuführen.

Zusammengestellt von Ellen Shmueloff
KH-Kommunikations & Marketing-Abteilung
Stand: 12. Februar 2004

Keren Hayesod 20-02-2004

übersetzungsdienst der medienabteilung des keren hayesod jerusalem