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Presseschau des
Keren haYesod
Jerusalem

Die Wohnqualität als entscheidender Faktor:
Einwanderer in Israel - Aufbruch aus den Ghettos

Aus Ma'ariv

Jerusalem (KH) - Die Einwanderung aus der früheren Sowjet-Union in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts nach Israel verursachte das Phänomen, dass es in Israel Gebiete gab, in denen 80% der Bevölkerung aus neuen Einwanderern bestand. Etwas mehr als ein Jahrzehnt später hat sich dieser Trend verändert: Die Einwanderer haben sich wirtschaftlich eine Basis geschaffen; sie haben sich im Land integriert und sie haben die Verbrauchergewohnheiten der anderen Israelis übernommen. Die wichtigsten Städte – Tel Aviv und Jerusalem – sind für sie zu Anziehungspunkten geworden.

Die große Einwanderungswelle aus der früheren Sowjet-Union in den 90er Jahren, die bis heute etwa 1,1 Millionen Einwanderer ins Land brachte (ein 18%iger Anstieg der Bevölkerung innerhalb von 10 Jahren), erregte natürlich bei vielen israelischen Geschäftsleuten große Aufmerksamkeit, die danach trachteten, sich ein Stück dieses neuen Verbraucher-Marktes zu sichern. Daneben führte die Tatsache, dass viele der neuen Einwanderer es auch vorzogen, sich neben dem israelischen Lebensstil auch die Identität zu bewahren, die sie aus der früheren Sowjet-Union oder aus anderen Teilen der Welt mitgebracht hatten (was Sprache, Kultur etc. anging), dazu, dass der Blick auf die Wahrung der Vorteile dieser kleinen Unterschiede geschärft wurde und man sich vor allem auf diesen neuen kulturell-ethnischen Bereich in Israel konzentrierte, was wiederum zur Gründung von vielen Firmen und Arbeit für Berater führte, die auf diese verschiedenen ethnischen Gruppen mit ihren besonderen Bedürfnissen ganz speziell eingingen, um diese zu erfüllen.

Sogar die Grundstücksmakler und die gesamte Bauwirtschaft Israels lernten schnell. Warum die Einwanderer nun nach Israel gekommen sein mochten – wodurch das Land gezwungen war, jährlich Hunderttausende von ihnen zu integrieren – in jedem Fall boten sie geschäftliche Möglichkeiten für die Bauunternehmer. Sie und die Grundstücksmakler lernten schnell, die neuen Wohngegenden je nach den einzelnen ethnischen Volksgruppen zu entwickeln und entsprechend zu gestalten, damit die neuen Einwanderer eingegliedert werden konnten (60% von ihnen besitzen heute ihr eigenes Apartment).

Viele Gebiete des Landes wurden zu Abladestellen für Einwanderer aus der früheren Sowjet-Union. Gegen Ende des Jahres 2001 hatte Ashdod 63900 Einwanderer, die damit 34 % der Einwohner darstellten. In Wohngegenden wie dem Yod Gimmel-Viertel und in der Stadt Ashdod selbst stellen Einwanderer 80% der städtischen Einwohner dar. In Haifa haben sich 66,400 Einwanderer niedergelassen – 22% der städtischen Bevölkerung, die sich vor allem in der (relativ günstigen) Hadar-Wohngegend konzentrieren. Gegen Ende des Jahres 2001 hatte Beersheva über 54,000 Einwanderer eingegliedert – 29% der städtischen Bevölkerung. In Ashkelon stieg die Zahl der Einwanderer auf 35,000 – ein Drittel der Bevölkerung, wohingegen Ober-Nazareth 22,800 Einwanderer eingegliedert hat – was fast die Hälfte der städtischen Bevölkerung darstellt. Zusätzlich gibt es mehrere Aufspaltungen innerhalb der einzelnen ethnischen Gruppen, sogar auch unter den Einwanderern selbst. Beispiele sind in der großen georgischen Gemeinde von Ashdod festzustellen, in den Gemeinden aus Bucharien in Lod und Shderot und in Arad, wo viele Einwanderer aus St. Petersburg und den baltischen Staaten stammen.

Im Gegensatz stellen in den wichtigen Städten Israels, Jerusalem und Tel Aviv, neue Einwanderer nur 8% (54,000) bzw. 15% (52,000) der Gesamtbevölkerung dieser Städte dar, Stand 2001.

Eine Trend-Änderung

In den letzten Jahren hat die McCan Alternative-Firma, ein Teil der McCan-Ericcson – Werbe- und Kommunikations-Gruppe, eine Veränderung in den Abgrenzungs-Bestrebungen festgestellt, die das Verhalten von neuen Einwanderern bisher bestimmt haben, vor allem in Bezug auf die Wahl der Wohngegenden. Nach den Worten von Michael Safran, Geschäftsführender Direktor von McCan-Alternative, "versuchen die Russen die bisherigen Verhaltensmuster zu verändern und daraus auszubrechen. Die Einwanderer wollen nach außen hin zeigen, dass sie es in Israel zu etwas gebracht haben, dass sie nicht mehr zu den neuen Einwanderern gehören – und deshalb suchen sie nach Wohnungen in anderen Gegenden."

Nachdem viele der Einwanderer noch vor einem Jahrzehnt in die Randgebiete geströmt waren, ist Safran der Ansicht, dass jetzt davon ausgegangen werden muss, dass sie nach Gush Dan und Tel Aviv ziehen, genauso wie die übrige Bevölkerung von Israel. Nach Safrans Worten "stammen die meisten Einwanderer aus den großen Städten ihrer Herkunftsländer und das bestimmt die Art und Lage der Wohnungen, die sie suchen. Vor die Wahl gestellt, in ein Privat-Haus in der Nähe seiner früheren Wohnung in Karmiel oder in eine Wohnung in Tel Aviv zu ziehen, ist es dem in Russland geborenen Israeli wichtiger, in das kulturelle Zentrum Israels zu ziehen – nach Tel Aviv."

Safran verweist darauf, dass die meisten Einwanderer aus den GUS-Staaten relativ erfolgreich integriert wurden, was den wirtschaftlichen Bereich betrifft, und das hat es ihnen erlaubt, sich neu zu orientieren. Darüber hinaus, fügt Safran hinzu, zeichnen sie sich durch eine gute Zahlungsmoral aus und die meisten haben einen Arbeitsplatz. Deshalb sind sie bei Hypothekenbanken als Kunden willkommen (etwa 85% der Wohnungs-Käufer nehmen eine Hypothek auf).

Dorit Sadan, Direktor der Marketing-Abteilung von Shikkun Ovedim, verweist darauf, dass sich bis jetzt die meisten eingesessenen Einwanderer, "die sich in der zweiten Stufe der Wohnungs-Suche befinden und ihre Wohnqualität verbessern wollen", nach wie vor auf jene Nachbarschaften konzentrieren, mit denen die Russen vertraut sind, wie Holon, Ashdod, Hadera und Netanya. Nach Sadans Worten ist es "nach wie vor der Preis und nicht die Lage, die für den Kauf einer Wohnung entscheidend ist."

Nichtsdestoweniger betont Safran, "zeigt jede Untersuchung, dass die Vermischung des russischen Bevölkerungsanteiles mit den allgemeinen Bevölkerung ein unvermeidlicher Prozess ist. Auch jetzt noch ist ihr Leben von zwei Seiten bestimmt. Nach außen hin drücken die Einwanderer Selbstvertrauen aus; nach innen gerichtet zeigt sich jedoch, dass sie Israelis sein wollen. Eine Untersuchung von uns zeigt, dass die Hälfte von ihnen, die Opern und Vorführungen in Israel besuchen, dies tun, nicht weil sie es wollen, sondern weil es ein Stigma ist, wenn sie es nicht tun würden." Bei McCan sagen wir, dass "für alle anderen Einwanderer der Anpassungs-Prozess eine Generation dauerte, wohingegen er in diesem Fall zwei Generation dauern wird – aber dies wird geschehen, das ist ganz deutlich zu sehen. Trotz der besonderen Bemühung der Generation der Eltern, dafür zu sorgen, dass ihre Kinder ihre eigene Muttersprache sprechen, ist doch bereits festzustellen, dass die alte Muttersprache von der zweiten Generation nur mehr "sehr schlecht" gesprochen wird und ihr Wortschatz ist sehr beschränkt. Diese Kinder werden völlige Israelis sein und kein Russisch mehr sprechen."

Ein Ende der getrennten Nachbarschaften

Grundsätzlich ist die McCan- Alternative zu dem Schluss gekommen, dass es jetzt an der Zeit ist, die getrennten Nachbarschaften in Israels Städten zu überwinden. Nach den Worten von Safran "ist es für jene, die bei der Einwanderung zu ihrer Zeit eine Wohnung in der Ashdod Yod Gimmel-Nachbarschaft kauften, heute wirklich schwierig, diese heute zu verkaufen, um näher in das Zentrum des Landes in gemischte Wohngegenden zu ziehen. Israelis wollen nicht in ein russisches "Ghetto" ziehen und die Russen selbst sind auch nicht mehr daran interessiert, dies zu tun.

Natürlich muss davon ausgegangen werden, dass in weiteren 20 Jahren diese Wohngegenden gemischt sein werden. Bis dahin weiß jedoch niemand, was ihr Marktwert sein wird.“

Was die Art der Wohnungen angeht, so leben gegenwärtig die Hälfte der Einwanderer in Wohnungen mit drei Zimmern, vor allem wegen der wirtschaftlichen Nöte. Nichtsdestoweniger, so betont Safran, gibt es einen Trend unter reichen Russen, Immobilien in den besten Gegenden von Israel zu kaufen, wie in Kfar Shemaryahu, Savion, Herzliya Pituah und Caesarea.

Zusammenfassend stellen die Mitarbeiter von McCan fest, dass die Russen völlig die Verbrauchsgewohnheiten der Israelis übernommen haben. Nach den Worten von Safran „konsumieren sie Hummus wie Israelis – im doppelten Sinne des Wortes. Auch in der Art wie man wohnt, kommen die Einkommensverhältnisse und der wirtschaftliche Status entscheidend zum Ausdruck. Wir werden keine Städte ohne Russen haben. Das gilt auch für die arabischen Israelis und die Ultra-Orthodoxen. Alle diese gesellschaftlichen Bereiche wachsen unter dem Gesichtspunkt und den Bedürfnissen der Verbraucher zusammen.

Keren Hayesod 09-11-2003

übersetzungsdienst der medienabteilung des keren hayesod jerusalem